Leitfaden für die Antragsstellung

// Du kannst dir den folgenden Leitfaden auch hier als PDF herunterladen.

  1. Dein Antrag
    -> Das Jurateam auf dem Laufenden halten
  2. Textbausteine für besondere Konstellationen
  3. Anlagen
  4. Check: An alles gedacht?
  5. Der Ablauf der Antragsstellung

1. Dein Antrag

Den richtigen Musterantrag finden & auf Dich zuschneiden

Wir haben eine Reihe von Musteranträgen vorbereitet. Du kannst, musst sie aber nicht verwenden – je nachdem, ob deine richtige Option dabei ist. Prinzipiell empfehlen wir eher die Anträge nach dem Personenstandsgesetz (PStG) zu verwenden, weil das Transsexuellengesetz höhere Hürden hat (Zwangsgutachten, Gericht ist zuständig, Trans* als Krankheit) und ausschließlich binäre Wechsel ermöglicht.

Wenn Du Dir unsicher bist, was Du überhaupt beantragen willst oder was die bessere Wahl zwischen mehreren für Dich stimmigen Optionen darstellt, nimm Dir Zeit darüber nachzudenken und sprich mit Freund*innen, komm zu den Vorbereitungsveranstaltungen der Kampagne oder organisier Dich in Deiner Stadt, Deiner Gruppe, Deinen Orten… mit anderen, die einen Antrag stellen wollen und tausch Dich aus. Und wie immer gilt: Du kannst Dich auch gerne jederzeit bei juristischen oder strategischen Nachfragen ans Jurateam wenden!

Wichtig ist uns, dass der Antrag am Ende Deinen Wünschen und Deinen Bedürfnissen gerecht wird. Du kannst die Musteranträge daher soweit abändern, umschreiben, Passagen löschen, etc. bis es sich für Dich stimmig anfühlt. Allerdings musst Du dabei bedenken, dass die Erfolgsaussichten Deines Antrags auch davon abhängen, ob das Amt ihn für vollständig hält und er nach juristischen Maßstäben überzeugt. Inwieweit Du Dich darauf einlassen willst, liegt bei Dir.

Mach Dir auch immer wieder klar: Wir beantragen ja eh, was es so rechtlich noch gar nicht gibt! Lass Dich also von juristischen Erwägungen und Vorgaben nicht allzu sehr einengen oder verunsichern.

Juristische Unterstützungsangebote nutzen

Bevor Du Dich an die juristischen Support-Strukturen wendest, schau bitte die Jura-FAQ/Jura-FAQ mit Auslandbezug und die sonstigen Informationen auf der Homepage an. Vielleicht klärt sich Deine Frage schon dort.

Für allgemeine juristische Nachfragen ist das bundesweite Jurateam der Kampagne da (jurateam@aktionstandesamt2018.de). Das Jurateam hat auch die Informationen und Musteranträge zusammengestellt und berät die Kampagne rechtspolitisch und strategisch.

Wenn Du Deinen Antrag fertig geschrieben hast oder hier und da noch ein paar konkrete Fragen zur Antragsstellung für Deine Person hast, hast Du die Möglichkeit, Dich an eine der lokalen Support-Kanzleien zu wenden. Das sind Rechtsanwaltskanzleien, die mit der Kampagne solidarisch sind. Sie lesen Deinen Antrag gerne gegen, geben Tipps und machen Veränderungsvorschläge. Außerdem kannst Du Dich an die Kanzleien wenden, wenn sich etwas getan hat und Du wissen willst, wie Du jetzt weitermachen kannst. Welche Kanzlei Dich in Deiner Nähe unterstützen kann, erfährst Du über das bundesweite Jurateam.

Bitte plane wenn möglich mindestens 2 Wochen Vorlaufzeit für Antworten ein.

[nach oben]

Das Jurateam auf dem Laufenden halten, zugleich: Wie wir mit Deinen Daten umgehen

Damit wir die Übersicht behalten und auch für die Pressearbeit eine solide Informationsgrundlage haben, möchten wir Dich bitten, uns grob über deinen aktuellen Stand und darüber, was Du wo beantragt hast, oder beantragen wirst, zu informieren. Das müssen gar keine Details sein. Wenn Du mehr teilen willst, gut – aber kein Muss. Dann können wir beispielsweise merken, wenn es irgendwo ähnliche Verfahren gibt und besser kooperieren.

Dabei bemühen wir uns, auf Deinen Datenschutz zu achten. Deshalb gibt es zwei getrennte Excel-Tabellen:

  • In der einen Tabelle werden Deine persönlichen Daten wie Name, Anschrift etc. erfasst und einer Verfahrensnummer zugeordnet. Diese Tabelle soll nur dem ganz engen Jurateam (3 Personen) bei der Kampagne zugänglich sein. Welche Daten wir hier erfassen, liegt komplett bei Dir.
  • In der zweiten Tabelle werden dann verfahrensbezogene Angaben zu der Verfahrensnummer hinterlegt werden. Also bei welchem Standesamt welche Arten von Anträgen gestellt wurden, ob eine Bewilligung/Ablehnung vorliegt, ob gar bereits eine Klage erhoben wurde, etc. Diese Tabelle soll von allen lokalen Support-Kanzleien genutzt werden können, um beispielsweise auch zu sehen ob es parallele Verfahren gibt. Außerdem können wir hierüber mit Dir zusammen aufpassen, ob wichtige Fristen eingehalten werden (= Zeitpunkte zu denen Du spätestens etwas tun musst, z.B. eine Klage gegen die Ablehnung des Antrags erheben) – wenn Du dies möchtest.

[nach oben]

2. Textbausteine zum Einfügen in Deinen Antrag

Anträge, in denen eine Änderung des Geschlechtseintrags und eine Namensänderung kombiniert beantragt werden: „Aufgrund des Sachzusammenhangs habe ich den Antrag auf Personenstandsänderung mit dem Antrag auf Vornamensänderung verbunden. Bitte leiten Sie ggf. den Antrag an die zuständige Behörde weiter, wenn eine vollständige Entscheidung über den Antrag von Ihnen aufgrund fehlender Zuständigkeit nicht getroffen werden kann. Bitte informieren Sie mich über die Weiterleitung. Sollten einer solchen Weiterleitung aus Ihrer Sicht sachliche Gründe entgegenstehen, bitte ich ebenfalls um einen entsprechenden Hinweis.“

Anträge von Menschen, die minderjährig sind, sollten neben dem regulären Musterantrag den „Textbaustein für Minderjährige“ einbauen, den Du als gesondertes Dokument bei den Musteranträgen findest.

[nach oben]

3. Anlagen

Allgemeines zu Anlagen

Anlagen sind entweder Bescheinigungen oder andere Dokumente, die für den Antrag nötig sind oder es sind weiterführende Unterlagen, die den Inhalt des Antrags untermauern/„beweisen“ sollen.

Anlagen können aber nicht den Antrag selbst ersetzen: Alle wichtigen Angaben musst Du in den Antrag selbst schreiben!

Es ist üblich, dass am Ende eines Antrags alle Anlagen in Stichpunkten aufgelistet werden. Das dient der Übersichtlichkeit und der Kontrolle, ob die Antragsunterlagen vollständig sind.

Anlagen zu Anträgen auf Änderung des Geschlechtseintrags nach dem PStG: In der Regel sind keine weiteren Anlagen nötig; falls doch, haben wir das am Ende der Musteranträge jeweils vermerkt.

Anlagen zum TSG, insbesondere Gutachten

Für Anträge nach dem TSG werden psychiatrische Gutachten gefordert. Wenn Du solche hast und sie beilegen willst, mach das. Wenn Du keine hast und/oder eine Begutachtung aus gutem Recht ablehnst und auf Dein Selbstbestimmungsrecht bestehst, kannst Du den Antrag auch ohne Gutachten stellen. Allerdings wird er höchstwahrscheinlich abgelehnt werden, ohne das große juristische Chancen bestehen, dagegen vorzugehen. Deshalb empfehlen wir eher Anträge (auch auf einen binären Wechsel) nach dem Personenstandsgesetz zu verwenden. Alternativ besteht die Möglichkeit, dass Du Dir ein „Gutachten“ oder eine Bescheinigung von einer Person mit einer thematischen Expertise ausstellen lässt, das nicht auf die Krankheitsdiagnose „Transsexualismus“ lautet, sondern Dir zum Beispiel bestätigt, geschlechtsmündig zu sein. Also dass Du in der Lage bist, über Dein Geschlecht selbst zu entscheiden und Auskunft zu geben. Damit könnten wir versuchen die Zwangsbegutachtung im TSG anzugreifen.

Anlagen zu Anträgen auf Vornamensänderung

Leider sind eine ganze Reihe von Anlagen nötig, damit das Amt überhaupt anfängt zu arbeiten; wenn ihr Fragen habt, meldet Euch bitte bei uns.

Erstens brauchst du ein amtliches Ausweisdokument. Wenn du eine deutsche Staatsangehörigkeit hast, musst du hierfür eine Kopie deines Personalausweises oder Reisepasses oder eine Bescheinigung deiner Meldebehörde beilegen. Wenn du staatenlos bist, kannst du diesen Nachweis durch deinen Reiseausweis erbringen, wenn du einen hast, oder durch den Eintrag der Ausländer*innenbehörde in deinem Pass oder Passersatz. Wenn du Asylberechtigte*r bist, musst du eine Kopie des Eintrags der Ausländer*innenbehörde in deinem Pass oder Passersatz einreichen. Wenn du als Flüchtling anerkannt wurdest, kannst du diesen Nachweis mit deinem Reiseausweis für Flüchtlinge erbringen.

Zweitens müssen alle Personen einen Nachweis ihres aktuellen Wohnsitzes sowie ihres Wohnsitzes der letzten fünf Jahre erbringen. Dafür sind Nachweise der Meldebehörden erforderlich.

Drittens musst du eine beglaubigte Abschrift deines Geburtseintrags mit einreichen.

Viertens verlangt der Staat ein Führungszeugnis von dir. Wenn du unter 16 bist und deine Sorgeberechtigten den Antrag für dich stellen, benötigen sie die Genehmigung des Familiengerichts. Wenn du zwar schon 16, aber noch nicht 18 Jahre alt bist, musst du einen Nachweis über das Ergebnis einer familiengerichtlichen Anhörung vorlegen.

[nach oben]

4. Check: An alles gedacht?

  • Antrag vollständig geschrieben, selbst gegengelesen, ggf. gegenlesen lassen?
  • Anlagen vollständig und Anlagen im Antrag vollständig aufgelistet?
  • Begleitschreiben angepasst?
  • Alles ausgedruckt und unterschrieben?

[nach oben]

5. Der Ablauf der Antragsstellung

Persönlicher Kontakt mit den Beamt*innen: Geh mal davon aus, dass die Standesbeamt*innen in der Regel erstmal überfordert sein werden, wie mit Dir umzugehen ist. Das ist kein alltäglicher Vorgang. Im Grunde gibt es auch nicht viel zu besprechen: Besteh darauf, dass Dein Antrag zur Prüfung und Entscheidung angenommen wird. Wenn das Standesamt Dich abwimmeln will, betone, dass das Amt bei Zweifeln, wie es mit dem Antrag umgehen soll, schließlich laut Personenstandsgesetz das zuständige Gericht anrufen kann. Bleibt bestimmt, aber höflich – denn auch für Dich wäre es hilfreich, wenn das Amt die Gerichte einschaltet, weil Du dann die Gerichtsgebühren nicht zahlen brauchst.

Wenn Du den Antrag mit einer ganzen Gruppe oder gar mit Begleitung der Presse abgeben willst, ist es rücksichtsvoll sich vorher entsprechend anzumelden, damit die Standesbeamt*innen sich darauf einstellen können.

Postalische Antragstellung: Wenn Du den Antrag per Post (keine E-Mail) stellen willst, braucht es kein Einwurf-Einschreiben, Einschreiben mit Rückschein, etc.. Füg aber dem Anschreiben folgenden Textbaustein hinzu: „Ich bitte darum, mir den Eingang dieses Antrags zeitnah schriftlich zu bestätigen.“

Rückmeldung an Kampagnengruppe

Es ist für die politische Arbeit der Kampagne sehr hilfreich zu wissen, wie viele Anträge gestellt wurden. Daher wäre es sehr gut, wenn Du uns per Mail an jurateam@aktionstandesamt2018.de auf dem Laufenden hältst. Einen PGP-Schlüssel findest Du bei unseren Informationen zur Antragstellung.

An Infos wären für das Jura-Team der Kampagnengruppe hilfreich (aber nicht zwingend und unbedingt!):

  • Zur Person und Erreichbarkeit: Name, Pass-Vorname, Geburtstdatum, Postanschrift, Telefonnummer, E-Mail-Adresse und sonstige weitere persönliche Informationen, die Du für relevant hältst.
  • Zum Antrag: Welche Art Antrag (Auf was gerichtet? Gutachten/ besondere Anlagen beigelegt?) Du wann und wo gestellt hast; Ob es bereits früher ein personenstandsrechtliches Verfahren (nach dem TSG oder dem PStG) gab; Ob und wenn ja mit welcher Kanzlei Du den Antrag gemeinsam erstellt hast, …

Für die weitere juristische Arbeit ist es zudem sehr wichtig zu erfahren, wie die Behörden auf die Anträge reagiert haben. Melde Dich daher (spätestens) wenn Du eine Reaktion auf Deinen Antrag bekommst beim JURA-Team. Denn wenn Dein Antrag Erfolg hat, ist das als Unterstützung für andere wichtig zu wissen. Wenn Dein Antrag abgelehnt wird, können wir gemeinsam überlegen, dagegen zu klagen (zu dem Klageweg gibt es bei den FAQs viele weitere Informationen). Wichtig: Es gibt eine Klagefrist von einem Monat nachdem Du den Ablehnungsbescheid bekommen hast!